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"Augenwischerei", nennt
TuS-Ickern-Präsident Rainer Fleig die
Beschlüsse der Bundesregierung zum
Ehrenamt.
Für die Vereine ist das kaum
finanzierbar und erfasst die Probleme
nicht
"Alles Augenwischerei", sagt Rainer
Fleig, Präsident des größten
Castrop-Rauxeler Sportvereins TuS
Ickern. Mit der Äußerung bezieht er sich
auf die Pläne der Bundesregierung, das
Ehrenamt finanziell zu stärken (siehe
Zweittext). "Die Erhöhung der Pauschale
deckt nach wie vor nicht die Kosten, die
die Ehrenamtlichen aufbringen müssen",
sagt Fleig. Mit der Meinung steht er
nicht alleine da. Seine
Vorstandsmitglieder Tina Kuhl, Wolfgang
Manthey und Heiko Sobbe vertreten die
gleiche Ansicht.
Zu kurz gegriffen, zu weit
entfernt von der Basis, sind ihnen die
Überlegungen in Berlin. "Vereine
übernehmen zusehends die Aufgaben des
Staates", erklärt Fleig. "Wir betreiben
Jugendarbeit, zielen auf körperliche
Ertüchtigung, schaffen sozialen
Ausgleich" - und zwar übergreifend für
alle Generationen.
Da habe
man mit der Erhöhung der
Übungsleiterpauschale theoretisch einen
kleinen finanziellen Anreiz geschaffen.
Praktisch umsetzbar ist er aber nicht.
Denn auch ein so großer Verein wie der
TuS Ickern, der alleine 36 Ehrenamtliche
für seine zwölf Handballmannschaften
beschäftigt, sieht sich finanziell nicht
in der Lage, die Pauschale von 2 100
Euro zu zahlen.
"Das
gesellschaftliche Problem wurde nicht
erkannt", sagt Fleig. Mal ganz abgesehen
davon, dass jeder Übungsleiter seine
Ausbildung ohne jeden steuerlichen
Vorteil aus der eigenen Kasse bezahlen
muss, würde die Pauschale die Kosten der
Ehrenamtlichen nicht abdecken. "Die
Trainer sammeln die Kinder vor den
Wettkämpfen ein, fahren sie dort hin.
Das bezahlt ihnen keiner", so Fleig.
"Das Ehrenamt schreckt heute auch viele
ab, weil sie sich damit finanziell
überfordern".
Dazu
komme, dass Vereine selbst das Problem
haben, dass sie oftmals nicht wissen,
wie sie ihren Gerätepark erneuern
können. Natürlich bekomme man Zuschüsse
über den Stadtsportverband, doch der
Eigenanteil von 80 Prozent sei häufig
schwer zu finanzieren.
"Man
muss wissen, wo was geht. Häufig kriegt
man die Form nicht auf die Reihe", sagt
Fleig und meint damit den bürokratischen
Aufwand, den ein ehrenamtlich Tätiger
heute ebenfalls bewältigen muss. Zumal
der Staat auch bei den Vereinen kräftig
die Hand aufhält: "Wenn wir unsere
Tennisplätze vermieten, um unsere
Vereinskasse ein wenig aufzubessern,
müssen wir das demnächst voll
versteuern", sagt Fleig. Für den "Präsi"
ist das kontraproduktiv. Vor allem, wenn
er sich auf der anderen Seite anschaut,
welche finanziellen Vorteile Firmen
durch die Unternehmenssteuerreform
erhalten.
Und vor
allem auch vor dem Hintergrund, dass ein
Verein auch den sozialen Zusammenhalt
stärken soll und so eine
gesellschaftspolitische Rolle einnimmt.
"Wir sind ja heute auch in der
Jugendfürsorge tätig", erklärt Fleig.
Und da habe sich noch niemand Gedanken
gemacht, wie z:B. eine kinderreiche
Familie oder ein Hartz-IV-Empfänger die
Mitgliedsbeiträge zahlen kann.
"Arbeitslose sind heute doch schon
ausgegrenzt", resümiert Fleig. Da müsste
man sich langsam ´mal Gedanken über
Härtefallregelungen machen, vielleicht
sogar über Subventionen in dem Bereich
nachdenken. |
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WAZ
12.08.2007 Von Angelika Wölke
Engagement würdigen
Der Entwurf des Bundestages "Es gibt
immer mehr Menschen, die sich für andere
einsetzen und die damit einen
entscheidenden Beitrag für ein
solidarisches Miteinander in unserer
Gesellschaft leisten, sei es durch die
Betreuung von behinderten Menschen, sei
es beim Engagement in einer kulturellen
Einrichtung oder in einem
Naturschutzprojekt", sagte der heimische
SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe.
Sein Kollege von der CDU, Philipp
Mißfelder war mit dem Vorschlag des
Bundestages zur weiteren Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements ebenfalls
zufrieden. Vor der Sommerpause wurde in
Berlin die Erhöhung des Freibetrages auf
500 Euro für alle, die sich nach
Feierabend in Vereinen engagieren,
angeregt. Auch für Übungsleiter soll der
Freibetrag erhöht werden - von 1848 auf
2100 Euro.
aw |