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  TuS Ickern

1912 e.V

Handballabteilung

 
 
 
WAZ im Gespräch mit TuS Präsident Rainer Fleig
2007
 
 

Foto: Joseph-W. Reutter

 

"Augenwischerei", nennt TuS-Ickern-Präsident Rainer Fleig die Beschlüsse der Bundesregierung zum Ehrenamt.

Für die Vereine ist das kaum finanzierbar und erfasst die Probleme nicht

"Alles Augenwischerei", sagt Rainer Fleig, Präsident des größten Castrop-Rauxeler Sportvereins TuS Ickern. Mit der Äußerung bezieht er sich auf die Pläne der Bundesregierung, das Ehrenamt finanziell zu stärken (siehe Zweittext). "Die Erhöhung der Pauschale deckt nach wie vor nicht die Kosten, die die Ehrenamtlichen aufbringen müssen", sagt Fleig. Mit der Meinung steht er nicht alleine da. Seine Vorstandsmitglieder Tina Kuhl, Wolfgang Manthey und Heiko Sobbe vertreten die gleiche Ansicht.

Zu kurz gegriffen, zu weit entfernt von der Basis, sind ihnen die Überlegungen in Berlin. "Vereine übernehmen zusehends die Aufgaben des Staates", erklärt Fleig. "Wir betreiben Jugendarbeit, zielen auf körperliche Ertüchtigung, schaffen sozialen Ausgleich" - und zwar übergreifend für alle Generationen.

Da habe man mit der Erhöhung der Übungsleiterpauschale theoretisch einen kleinen finanziellen Anreiz geschaffen. Praktisch umsetzbar ist er aber nicht. Denn auch ein so großer Verein wie der TuS Ickern, der alleine 36 Ehrenamtliche für seine zwölf Handballmannschaften beschäftigt, sieht sich finanziell nicht in der Lage, die Pauschale von 2 100 Euro zu zahlen.

"Das gesellschaftliche Problem wurde nicht erkannt", sagt Fleig. Mal ganz abgesehen davon, dass jeder Übungsleiter seine Ausbildung ohne jeden steuerlichen Vorteil aus der eigenen Kasse bezahlen muss, würde die Pauschale die Kosten der Ehrenamtlichen nicht abdecken. "Die Trainer sammeln die Kinder vor den Wettkämpfen ein, fahren sie dort hin. Das bezahlt ihnen keiner", so Fleig. "Das Ehrenamt schreckt heute auch viele ab, weil sie sich damit finanziell überfordern".

Dazu komme, dass Vereine selbst das Problem haben, dass sie oftmals nicht wissen, wie sie ihren Gerätepark erneuern können. Natürlich bekomme man Zuschüsse über den Stadtsportverband, doch der Eigenanteil von 80 Prozent sei häufig schwer zu finanzieren.

"Man muss wissen, wo was geht. Häufig kriegt man die Form nicht auf die Reihe", sagt Fleig und meint damit den bürokratischen Aufwand, den ein ehrenamtlich Tätiger heute ebenfalls bewältigen muss. Zumal der Staat auch bei den Vereinen kräftig die Hand aufhält: "Wenn wir unsere Tennisplätze vermieten, um unsere Vereinskasse ein wenig aufzubessern, müssen wir das demnächst voll versteuern", sagt Fleig. Für den "Präsi" ist das kontraproduktiv. Vor allem, wenn er sich auf der anderen Seite anschaut, welche finanziellen Vorteile Firmen durch die Unternehmenssteuerreform erhalten.

Und vor allem auch vor dem Hintergrund, dass ein Verein auch den sozialen Zusammenhalt stärken soll und so eine gesellschaftspolitische Rolle einnimmt. "Wir sind ja heute auch in der Jugendfürsorge tätig", erklärt Fleig. Und da habe sich noch niemand Gedanken gemacht, wie z:B. eine kinderreiche Familie oder ein Hartz-IV-Empfänger die Mitgliedsbeiträge zahlen kann. "Arbeitslose sind heute doch schon ausgegrenzt", resümiert Fleig. Da müsste man sich langsam ´mal Gedanken über Härtefallregelungen machen, vielleicht sogar über Subventionen in dem Bereich nachdenken.


WAZ 12.08.2007   Von Angelika Wölke

 

Engagement würdigen

Der Entwurf des Bundestages "Es gibt immer mehr Menschen, die sich für andere einsetzen und die damit einen entscheidenden Beitrag für ein solidarisches Miteinander in unserer Gesellschaft leisten, sei es durch die Betreuung von behinderten Menschen, sei es beim Engagement in einer kulturellen Einrichtung oder in einem Naturschutzprojekt", sagte der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe. Sein Kollege von der CDU, Philipp Mißfelder war mit dem Vorschlag des Bundestages zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements ebenfalls zufrieden. Vor der Sommerpause wurde in Berlin die Erhöhung des Freibetrages auf 500 Euro für alle, die sich nach Feierabend in Vereinen engagieren, angeregt. Auch für Übungsleiter soll der Freibetrag erhöht werden - von 1848 auf 2100 Euro.

aw

(hf)